Auf verschlungenen Wegen endlich nach Aachen zurückgekehrt: Balthasar van der Ast, Blumen in einer Wanli-Vase

Suermondt Ludwig Museum, Aachen

Balthasar van der Ast (Middelburg vor 1593/94-1657 Delft) gehört zu den prominentesten und bedeutendsten holländischen Stilllebenmalern des 17. Jahrhunderts. Sein erhaltenes Œuvre umfasst circa 220 Gemälde, etwa die Hälfte davon sind Blumenstillleben. Das nun zurückgekehrte Gemälde ist aus stilistischen Gründen in die zweite Hälfte der 1620er Jahre zu datieren und entstand somit in Utrecht, wo van der Ast seit 1619 Mitglied der Lukasgilde war.

Das Blumenstillleben ist zweifellos einer der bedeutendsten Kriegsverluste des Suermondt-Ludwig-Museums in Aachen. Als Vermächtnis von Adele Cockerill, der Schwägerin des namensgebenden Stifters Barthold Suermondt, 1910 in die Aachener Sammlung gekommen, wurde das Gemälde 1942 mit weiteren Aachener Beständen in die Meißener Albrechtsburg verlagert. Ein Gutteil, vor allem der Gemälde, wurde gegen Kriegsende in die UdSSR verbracht. Die Blumen in einer Wanli-Vase jedoch brachte die gebürtige Meißnerin Alice Tittel zusammen mit etwa 10 weiteren Werken aus Aachen an sich und führte sie bei ihrer Übersiedlung 1951 nach Kanada aus. In der Forschung wurde es lange Zeit für die zweite Version eines bereits seit Mitte der 1950er Jahren bekannten Stilllebens gehalten. Erst 1997 stellte Fred G. Meijer fest, dass das aus der Albrechtsburg verschwundene Aachener Stillleben identisch mit einem Stück in Privatbesitz ist.

Bereits seit 2006 stand das Suermondt-Ludwig-Museum in Kontakt mit der amerikanischen Privatsammlung, für die das Werk Anfang der 70er Jahre von dem Kunsthändler Hans Cramer, der als Mittels¬mann für den bekannten Sammler Sidney van den Bergh fungierte, in gutem Glauben aus den Niederlanden erworben worden war. Dank der gleichermaßen großzügigen Unterstützung der Ernst von Siemens Stiftung, der Kulturstiftung der Länder und des Landes NRW sowie auch einiger privater Sponsoren, ist es der Stadt Aachen schließlich gelungen, das herausragende Gemälde gegen einen Finderlohn zurück¬ zu erhalten.

Sarvenaz Ayooghi