Gabriele Münter, Selbstbildnis, um 1909

Schloßmuseum Murnau

Das Selbstbildnis entstand in der für Gabriele Münter entscheidenden künstlerischen Phase zwischen 1908 und 1911. In diese Zeit fallen die legendären Murnauer Malaufenthalte mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky und den Künstlerfreunden Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, der Kauf des Murnauer Hauses und die darin stattfindenden Redaktionssitzungen zum Almanach „Der Blaue Reiter“ mit Künstlerkollegen wie Franz Marc und August Macke.

Es ist eines von insgesamt nur 16 Selbstbildnissen, die die Künstlerin im Laufe ihres 85jährigen Lebens schuf. In diesem Porträt stellt sich Gabriele Münter unprätentiös und ausdrücklich als schaffende Künstlerin dar. Mit dem Malkittel bekleidet, den Kopf leicht gedreht, sieht sie mit offenem, gleichzeitig aber auch fragendem Blick in den Spiegel. Sie ist zu diesem Zeitpunkt Anfang Dreißig und erwirbt am 21. August 1909 das Sommerhaus an der Murnauer Kottmüllerallee. Kandinsky hatte Gabriele Münter den Kauf dieses Hauses ans Herz gelegt. Es sollte ihr späterer Altersruhesitz und ländlicher Rückzugsort werden, Pendant zur Münchner Stadtwohnung in der Ainmillerstraße 36, in der Kandinsky bereits seit September 1908 wohnte und in der sie am 20. September 1909 eine gemeinsame Wohnung im 1. Stock beziehen konnten.

Das Porträt ist die selbstkritische Momentaufnahme ihres Selbstverständnisses als Künstlerin in einem für sie wesentlichen künstlerischen wie bedeutenden biographischen Lebensabschnitt und gleichzeitig Ausdruck ihrer kurz zuvor erworbenen Maltechnik. Es dokumentiert den großen Entwicklungsschub, den Gabriele Münter weg von der spätimpressionistischen Malweise hin zur Reduzierung auf das Wesentliche mit gekonnt gesetzten, ausdrucksstarken Farbakzenten und einem spontanen und kraftvollen Pinselstrich gemacht hat.

Das Selbstbildnis war als Dauerleihgabe seit der Öffnung des Museums 1993 eines der zentralen Werke innerhalb der Dauerausstellung zu Leben und Werk der Künstlerin. Es ist gebündelter Ausdruck der in Murnau gemachten Fortschritte und damit essentiell für die Sammlung des Schloßmuseums, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Leben und Werk Gabriele Münters in allen Entwicklungsstufen für die Besucher erfahrbar zu machen und sich vor allem der Murnauer Zeit der Künstlerin zu widmen, die in zwei Phasen anschaulich wird: In den Werken zwischen 1908 und 1914 und den Werken nach ihrer Rückkehr nach Murnau ab 1931. Neu gerahmt steht es nun zum 25jährigen Jubiläum des Schloßmuseums Murnau erneut im Mittelpunkt der Sammlung.

Dr. Sandra Uhrig