Neuerwerb einer Spätgotischen Maria lactans für die Liebieghaus Skulpturensammlung

Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main

Der Ulmer Bildhauer Michel Erhart zählt durch sein umfangreiches Œuvre zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Spätgotik. Durch den Erwerb seiner Maria lactans kann das Frankfurter Liebieghaus die Sammlung von Ulmer Figuren. Während Erhart vor allem durch seine großformatigen Arbeiten hohes Ansehen genoss, sind die seltenen, aber dafür qualitativ sehr hochwertigen Kleinskulpturen des Bildhauers in der Liebighaus Skulpturensammlung bislang nicht vertreten.

Die Figur der Maria lactans sticht vor allem durch ihre ikonographische Besonderheit heraus: Das Motiv der stillenden Muttergottes ist ein in der deutschen Bildhauerkunst relativ selten dargestelltes Thema. Dabei stellt diese Kleinskulptur eine der einfühlsamsten und anrührendsten Versionen dieses Themas dar. Die feinteilige Durchmodellierung des Gewandes, die natürliche und zugleich kunstvolle Gruppierung der Figuren sowie der intime Bildgegenstand mit seiner stimmungsvollen Erfassung der Mutter-Kind-Beziehung beweisen die hohe künstlerische und technische Qualität Erharts Werk. Neben der Themenwahl stellt auch das kleine Format der Maria lactans eine Besonderheit dar: es sind nur vier Kleinbildwerke mit einer Höhe zwischen 30 bis 40 cm von Michel Erhart bekannt. Die Gottesmutter gehört mit ihren 28 cm Höhe somit zu den kleinsten, wertvollsten und bedeutendsten Werken des Bildhauers.

Die Maria lactans wurde von der Ernst von Siemens Kunststiftung aus Privatbesitz erworben und der Liebieghaus Skulpturensammlung als Dauerleihgabe überlassen.

Abbildung: Michel Erhart, Maria lactans, Ulm, um 1490/95, 23 x 15,5 x 10 cm, Obstholz