Max Beckmann, 14 druckgraphische Werke, 1911/1929

Staatliche Graphische Sammlung, München

Die Staatliche Graphische Sammlung München besaß bis 1937 insgesamt 31 Druckgraphiken Beckmanns, die jedoch alle der Beschlagnahmungsaktion „Entartete Kunst“ zum Opfer fielen. Nach 1945 wurde der Bestand neu aufgebaut, so dass er heute insgesamt 141 Graphiken umfasst. Einen Schwerpunkt bilden dabei die frühen – bis 1916 – entstandenen Drucke, sicherlich weil auch die 34 Beckmann-Zeichnungen der Sammlung überwiegend in diese Jahre datieren.

Seit der Gründung des Freundeskreises der Sammlung im Jahr 1925 war der Münchner Galerist Günther Franke (1900–1976) dessen Mitglied. Franke hatte Max Beckmann 1921 bei seinem damaligen Arbeitgeber, dem Berliner Galeristen Israel Ber Neumann, kennengelernt und arbeitete von da an intensiv mit dem Künstler sowie später mit dessen Witwe zusammen. Auf diese Weise konnte er eine herausragende Beckmann-Sammlung zusammentragen, deren Gemälde er 1974 in eine Stiftung einbrachte, die den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zu Gute kam.

Franke gelang es daneben über die Jahrzehnte vor allem Probe- und Zustandsdrucke Beckmanns für seine eigene Sammlung in einer Fülle zu erwerben, wie sie ansonsten nicht in privater Hand vorkamen. Zum Teil gehen die Drucke noch auf den Bestand des „Graphischen Kabinetts“ von Neumann und Franke zurück, wie gelegentliche Stempel auf den Rückseiten der Werke belegen, die Franke selbst aufgebracht hat. Im grundlegenden Werkverzeichnis zur Druckgraphik Beckmanns von James Hofmaier sind viele der Exemplare aus dem Nachlass Franke namentlich erfasst, was ihren Stellenwert eindeutig bestätigt.

2016 gelang es der Staatlichen Graphischen Sammlung München 43 Drucke aus dem Nachlass zu erwerben. Die Ernst von Siemens Kunststiftung erwarb 13 weitere Radierungen und einen Holzschnitt, besonders herausragende und am Kunstmarkt entsprechend begehrte Werke. Mit diesen Probe- und Zustandsdrucken ist die Münchner Beckmann-Sammlung zu einer der herausragenden arrondiert.

Dr. Andreas Strobl