Pieter Brueghel d. J. Kreuztragung Christi, 1629

Herzog Anton Ulrich Museum, Braunschweig

Im Depot des Braunschweiger Herzog Anton Ulrich-Museums (HAUM) schlummerte ein bislang noch unbekanntes Gemälde des flämischen Malers Pieter Brueghel d. J. (1564 - 1637/38). In einer weiten Landschaft trägt Christus das Kreuz zur Schädelstätte Golgatha hinauf, begleitet von einer Schar Soldaten sowie geistlichen und weltlichen Würdenträgern der Stadt Jerusalem, beobachtet von der einfachen Landbevölkerung. Historisches Geschehen und Elemente zeitgenössischen niederländischen Lebens sind eng miteinander verwoben.
Das Thema spielt im Œuvre von Brueghel und seiner Werkstatt eine prominente Rolle. Inspiriert vom berühmten Werk des Vaters schuf der jüngere Brueghel seine eigene Version der „Kreuztragung“, die offenkundig sehr erfolgreich war. So kennt die Forschung bislang 13 gesicherte, voneinander leicht abweichende Fassungen. Weitere sieben Ausführungen werden seinem Werkstattumkreis zugerechnet. Mit seiner Signatur und dem Datum 1629 kann das im HAUM verwahrte Gemälde als die späteste authentische Arbeit eingestuft werden. Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes konnte es bislang nicht ausgestellt werden und fristete ein Schattendasein im Depot. Im Zuge der noch einige Zeit in Anspruch nehmenden Restaurierung konnten mittlerweile die gealterten Firnisschichten sowie die Übermalungen und weitgreifenden Überkittungen abgenommen werden. Befreit von allen späteren Eingriffen kam eine äußerst qualitätsvolle Arbeit zum Vorschein, die das hohe künstlerische Niveau demonstriert, auf dem Brueghel mit seinen Mitarbeitern arbeitete.
Nun gilt es, den Bildträger zu stabilisieren sowie die Fehlstellen neu zu kitten, zu strukturieren und in der Retusche sensibel zu rekonstruieren. So soll die bedeutende Komposition Brueghels mit ihren vielfältigen Motiven wieder lesbar gemacht werden. Im Anschluss an die Bearbeitung ist für das Frühjahr 2019 eine Sonderausstellung geplant, in der das Gemälde erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Neben der kunsthistorischen Neubetrachtung sollen auch die kunsttechnologischen Untersuchungen und die Restaurierung des Bildes anschaulich dargestellt werden. Nachfolgend wird das Gemälde als echter Wiedergewinn die Dauerausstellung der Braunschweiger Galerie bereichern.

Silke Gatenbröcker, Sarah Babin