Porträt Philipps des Guten, um 1450

Stiftung Schloss Friedenstein, Gotha

Das frühniederländische Porträt zeigt Philipp den Guten, Herzog von Burgund und einer der mächtigsten Herrscher im spätmittelalterlichen Europa. Es entstand um 1500 in der Nachfolge Rogier van der Weydens, eines der bedeutendsten Künstler der frühflämischen Malerei. Dem Gemälde liegt ein verlorenes Original Rogiers zugrunde, der mehrmals Mitglieder der herzoglichen Familie porträtierte. Bisher schien nur eine Kopie, die sich heute im Palacio Real in Madrid befindet, dieses Original wiederzugeben. Mit dem Gothaer Bild existiert nun eine weitere eng verwandte Kopie, die sich in besonders getreuer und qualitätsvoller Weise am Urbild orientiert haben dürfte. Dazu trägt auch die Erhaltung des originalen Rahmens bei, der mit dem Bildträger aus einem Stück Eichenholz geschnitten ist.

Bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert war das Bildnis im Besitz der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg. Im von 1864 bis 1879 errichteten Herzoglichen Museum in Gotha nahm es eine herausragende Stellung ein. Im ersten Bestandskatalog, in dem es noch Jan van Eyck zugeschrieben wurde, bildete es als einziges frühniederländisches Gemälde den Auftakt der Gemäldesammlung.

Seit den Nachkriegswirren im Jahre 1946 zählte das Bild zu den Gothaer Verlusten. Im Jahre 2008 wurde es Christie’s in Paris von einem privaten Einlieferer angeboten. Mit der Erwerbung des Porträts durch die Ernst von Siemens Kunststiftung und die anschließende unbefristete Leihgabe konnte eine empfindliche Lücke innerhalb der Gemäldesammlung der Stiftung Schloss Friedenstein, Gotha, geschlossen werden.

In einer Kabinettausstellung wird das Gemälde 2010 erstmals nach über 60 Jahren wieder der Öffentlichkeit vorgestellt werden; danach wird es einen Ehrenplatz im Herzoglichen Museum erhalten, das derzeit renoviert und 2012 eröffnet werden wird.

Ute Däberitz