Zwei Engel für Augsburg

Maximilianmuseum der Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Nach zweihundert Jahren kehren zwei bedeutende Renaissanceskulpturen nach Augsburg zurück. Zwei von dem Renaissancebildhauer Hans Daucher geschaffene Engelsfiguren aus Jurakalkstein komplettieren das einzigartige Ensemble der Puttenfiguren aus der Fuggerkapelle in St. Anna. Aus dem französischen Auktionshandel gelang nun die sensationelle Rückkehr durch das konzertierte Engagement der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder sowie der Stadt Augsburg.

Die Fuggerkapelle in St. Anna zählt zu den frühesten Renaissancebauten in Deutschland. Von Jakob Fugger dem Reichen (1459–1525) und seinem Bruder Ulrich (1441–1510) als Grablege ihrer Familie gestiftet, wurde sie 1518 geweiht. Durch die Mitwirkung bedeutender Künstler wie Albrecht Dürer, Jörg Breu d.Ä. und Hans Daucher stellt sie ein einzigartiges Gesamtkunstwerk von nationaler Bedeutung dar, das sich bis heute trotz Umbauten und Kriegsbeschädigungen in den letzten 200 Jahren in beeindruckender Vollständigkeit präsentiert. Ein wichtiges Ausstattungselement bilden sechs von Hans Daucher um 1530 geschaffene Putten aus hellem Kalkstein. Sie bekrönten gewissermaßen als Grabeswächter die Balustrade, die die Kapelle vom Kirchenraum trennte. 1817 wurden sie mit der Balustrade entfernt. Das Inventarium, was von der Fuggerschen Kapelle in der St. Anna-Pfarrkirche zu Augsburg an die Fürstlich und Gräflich Fuggersche Stiftungsadministration abgegeben wurde von 1821 verzeichnet 6 steinerne engelsköpfe, mit denen diese Putten gemeint sind. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden fünf Figuren wiederentdeckt und schließlich 1920/21 auf der rekonstruierten Brüstung zusammen mit einer Nachschöpfung platziert. Ein Putto galt als verschollen. Dass nun gleich zwei Puttenfiguren aufgetaucht sind, zeigt, dass für die damalige Rekonstruktion eine aus einem anderen Zusammenhang stammende Engelsskulptur verwendet wurde. Sie unterscheidet sich auch stilistisch von den anderen. Zum Schutz vor Diebstahl und Vandalismus wurden die Originale 2017 ins Maximilianmuseum der Kunstsammlungen und Museen Augsburg zu überführt. Die jetzt neuentdeckten Skulpturen lassen nach Stil, Material, Größe und Art der Befestigung keinen Zweifel an ihrer Herkunft aus der Fuggerkapelle. Sie gelangten im späten 19. Jahrhundert in den Besitz des preußischen Bankiers Baron Arthur von Schickler (1828–1919), bei dessen Nachfahren sie sich bis zu ihrer Wiederauffindung durch Erbgang auf Schloss Martinvast (Normandie) befanden.

Ein Putto ist kniend dargestellt und hat seine zum Gebet gefalteten Hände auf die Kugel gelegt, über die er sich, mit einem Hemdchen bekleidet, bückt. Mit schmerzerfülltem Gesichtsausdruck blickt er nach oben. Der zweite Putto ist in ähnlicher Stellung über seine Kugel gebeugt, trägt ein Brokatgewand und einen mit Ranken verzierten Helm. Das Kinn auf die rechte Hand gestützt, blickt er versonnen geradeaus. Der Erhaltungszustand beider Figuren, der alle Feinheiten der differenzierten Oberflächenbehandlungen bewahrt hat, ist erstklassig. 2019 gelangten die Putten aus der Sammlung Schickler-Pourtalés in den französischen Kunsthandel. Von dort glückte nun ihre sensationelle Heimkehr nach Augsburg. Sie werden künftig zusammen mit ihren Pendants im Maximilianmuseum der Kunstsammlungen und Museen Augsburg ausgestellt. Nach zweihundert Jahren sind damit dank der Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung, die auch den Anteil der Stadt Augsburg vorfinanziert hat, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, und der Stadt Augsburg die Augsburger Puttenfiguren aus der Fuggerkapelle in St. Anna wieder vereint.

Abbildung: Sotheby's Paris