Badende II (Erich Heckel)

Kunstsammlungen Chemnitz

Das Gemälde „Badende II“ gehört als rechte Tafel zum gleichnamigen Triptychon – einem der Hauptwerke des Expressionisten Erich Heckel. Er malte es 1919 an der Flensburger Förde, wo er ein Sommeratelier besaß. Aus seinen dort zahlreich zum Thema „Landschaft und Meer“ entstandenen Gemälden wählte Heckel drei Bilder aus und fügte sie zu diesem „Badende“ genannten Triptychon zusammen.

1923 schenkten drei Chemnitzer Unternehmer Heckels Triptychon der Städtischen Kunstsammlung – auf Initiative ihres damaligen, um eine moderne Sammlung bemühten Direktors F. Schreiber-Weigand. Im Sammlungsbestand deutscher expressionistischer Kunst zählte es zu den bedeutendsten Werken. Neben Arbeit von E. Munch und W. Lehmbruck wurde das Triptychon in der sogenannten Galerie zeitgenössischer Kunst im Chemnitzer Museum präsentiert, bis 1937 der Gesamtbestand an Werken Erich Heckels im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ aus der Sammlung entfernt und verkauft wurde. Erst 1995 konnte die rechte Tafel des Triptychons dank großzügiger Unterstützung zurückerworben werden. Von seinen Gefährten der Künstlergruppe „Brücke“ griff Heckel als einziger wiederholt den Triptychon-Gedanken auf. „Badende“ ist sein drittes Dreitafelbild. Wie schon das vorhergehende, 1916 entstandene Triptychon hat auch diese von 1916 badende Menschen als Sujet. Während die linke (heute: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf) und mittlere Tafel (heute: Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen) sich am Strand aufhaltende Figuren zeigen, steht die rechte Tafel dem Thema inhaltlich am nächsten: eine Badende verlässt das Meer und verharrt im flachen Wasser des Ufersaums. Ganz im Einklang mit den Elementen Wasser, Erde, Luft ist dieser weibliche Akt seiner Umgebung grundlegend teilhaftig.

Von einzigartiger Besonderheit erweist sich das kristallin strahlende Licht. Das Gemälde ist ein herausragendes Beispiel, wie Erich Heckel es vermochte, kaltes Wasser, klare Luft, gleißende Sonnenstrahlen und reflektierendes Licht künstlerisch zu suggerieren.

Beate Ritter

Abbildung:
Erich Heckel (1883-1970)
Badende II, 1919
Tempera / Leinwand, 96,5 x 83cm
Kunstsammlungen Chemnitz