Breviers des Kölner Erzbischofs Hermann IV. der Friedsame von Hessen zurück in Köln

Historisches Archiv Köln

Für das Historische Archiv der Stadt Köln konnte mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder der Sommerteil eines Breviers des Kölner Erzbischofs Hermann IV. der Friedsame von Hessen (ca. 1450-1508) aus Privatbesitz erworben und so erstmals der Forschung zugänglich gemacht werden.

Es handelt sich um eine reich illuminierte Handschrift, die in der Mitte der 1480er Jahre wohl in der Werkstatt eines unbekannten Kölner Meisters entstanden ist. Der Codex ist als Prachthandschrift angelegt worden, die den Bedürfnissen spätmittelalterlicher fürstlicher Repräsentation genügte. Erhalten sind 261 Pergamentblätter mit liturgischen Gebeten zu den Horae canonicae des Officium divinum des Sommerteils vom 1. bis 25. Sonntag nach Pfingsten und dem Sanctorale von St. Urban bis St. Katharina, dem Commune sanctorum secundum ordinancia maioris ecclesie Coloniensis und dem Totenoffizium, wobei die Reihenfolge durch eine Fehlbindung im 19. Jahrhundert nicht mehr korrekt ist.

Hinsichtlich der kunsthistorischen Bedeutung sind die elf erhaltenen Anfangsseiten zu den Gebeten wichtiger Festtage in den Mittelpunkt zu stellen. Sie enthalten großformatige Initialen, reich verzierte Bordüren mit Tierdarstellungen, Blumen, Akanthusblätterranken und Goldrispen, die der Kölner Tradition entsprechen. Weiterhin finden sich im Innern der Initialen und auf den Rändern Malereien mit Heiligenfiguren, Themen aus dem Heiligenleben oder der biblischen Geschichte, zudem die Darstellung des Stifters mit Wappen auf Bl. 209v, das die eindeutige Zuordnung des Breviers zu Hermann von Hessen ermöglicht. Hermann wurde 1480 zum Kölner Erzbischof gewählt und auch vom Papst bestätigt, erhielt die Regalien aber erst 1485. Die Handschrift dürfte in diesem Zeitraum seines Amtsantritts entstanden sein.

Max Plassmann

Abbildung: Illuminierte Handschrift auf Pergament, Golddekor, Einband vor 1786 (Originaleinband ist nicht erhalten), brauner Samt über Holzdeckel, 2 Schließen, um 1480-1488, vielleicht 1485, 18,2 cm x 13,2 cm, 261 Blätter, inkomplett.